
Pferd scheren im Winter: Zeitpunkt, Schurarten und Tipps für die richtige Schur
Pferd scheren im Winter: Zeitpunkt, Schurarten und Tipps für die richtige Schur
Wer sein Pferd scheren möchte, kennt die Situation: Das Winterfell ist dicht, nach dem Training steht das Pferd klatschnass im Stall und trocknet stundenlang nicht ab. Dann stellen sich schnell Fragen. Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Schur, welches Schermuster passt zu Ihrem Pferd und worauf müssen Sie bei Vorbereitung und Nachsorge achten? In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Pferd für den Winter richtig scheren.
Pferd scheren: Warum die Schur im Winter sinnvoll sein kann
Die Pferdeschur entfernt das Winterfell ganz oder teilweise, damit das Pferd bei Arbeit weniger schwitzt und nach dem Training schneller trocknet. Ein geschorenes Pferd reguliert seine Körpertemperatur im Training leichter, weil dichtes Fell die Wärme staut und Schweiß lange im Fell bleibt.
Das hat mehrere Vorteile. Gerade Pferde, die im Herbst und Winter regelmäßig und intensiv gearbeitet werden, schwitzen unter dem dicken Winterfell stark. Nasses Fell kühlt den Körper aus und trocknet im Stall nur langsam. Zusätzlich lässt sich ein geschorenes Fell leichter putzen, denn Schmutz und Schweiß sammeln sich weniger im Haarkleid. Das kann auch Hautproblemen wie Pilzinfektionen oder Mauke vorbeugen, die durch Feuchtigkeit und Schmutz im dichten Fell begünstigt werden.
Nicht jedes Pferd muss geschoren werden. Wird Ihr Pferd nur leicht bewegt und schwitzt kaum, übernimmt das Winterfell seine Aufgabe als natürlicher Kälteschutz zuverlässig. Entscheidend sind Trainingsumfang, Fellbeschaffenheit und Haltung.

Der richtige Zeitpunkt: Wann sollten Sie Ihr Pferd im Herbst und Winter scheren?
Die erste Schur findet meist von Ende Oktober bis Anfang November statt, sobald das Winterfell voll ausgebildet ist. Wird zu früh geschoren, wächst das Fell nach und die Schur muss wiederholt werden.
Die letzte Schur sollte spätestens im Januar oder Februar erfolgen. So bleibt dem Pferd genug Zeit, bis zum Fellwechsel im Frühjahr das Sommerfell rechtzeitig nachwachsen zu lassen. Wie oft Ihr Pferd geschoren werden muss, hängt vom Fellwachstum, der Schurart und der Trainingsintensität ab. Bei vielen Pferden genügt eine Schur im Herbst, bei intensiver Nutzung ist eine zweite im Winter sinnvoll.
Schurarten im Überblick: Welches Schermuster passt zu Ihrem Pferd?
Die Pferdeschur gibt es in mehreren Varianten. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Fell entfernt wird und welche Körperpartien bedeckt bleiben. Je größer die geschorene Fläche, desto wichtiger wird später die passende Decke.
| Schurart | Was wird geschoren? | Geeignet für |
|---|---|---|
| Vollschur | Gesamtes Fell inklusive Kopf und Beinen | Hochleistungssport |
| Jagdschur (Hunter) | Großer Teil des Körpers; Sattellage und Beine bleiben stehen | Pferde mit regelmäßigem, intensivem Training |
| Deckenschur | Hals und Bauch kurz; Rücken und Beine bleiben bedeckt | Pferde, die viel arbeiten und Schutz für Rücken und Beine behalten sollen |
| Rallyeschnitt (Streifenschur) | Nur Hals und Unterseite werden rasiert | Freizeitpferde |
| Bib-Schur (Irisch-Schur) | Kleine Bereiche an Brust, Hals oder Bauch | Pferde, bei denen nur einzelne Stellen stark schwitzen |
Pferdeschur auswählen: Training und Haltung entscheiden
Die Schurart richtet sich nach dem Alltag Ihres Pferdes. Für ein Sportpferd mit täglicher Arbeit ist die Vollschur geeignet, für ein Freizeitpferd mit gelegentlichen Ausritten reicht oft der Rallyeschnitt. Bei der Deckenschur und der Jagdschur bleiben Rücken beziehungsweise Sattellage und Beine bedeckt, was viele Reiter als Schutz im Winter schätzen. Je mehr Fell Sie entfernen, desto mehr Wärme muss die Decke ersetzen.

Vorbereitung: So gelingt eine stressfreie Schur
Eine saubere Schur beginnt vor dem ersten Zug mit der Maschine. Planen Sie mindestens zwei Stunden Zeit ein und wählen Sie einen ruhigen, gewohnten Ort mit trockenem, ebenem und rutschfestem Boden. Gutes Licht hilft, Schurlinien und stehengebliebene Haare zu erkennen.
Fell, Schermaschine und Schweif vorbereiten
Scheren Sie nur sauberes und trockenes Fell. Sand, Staub, Schmutz und Feuchtigkeit machen die Messer schnell stumpf und sorgen für ein ungleichmäßiges Ergebnis. Putzen Sie Ihr Pferd deshalb gründlich, mit passenden Putzhilfen. Ist das Fell stark verschmutzt, kann Waschen sinnvoll sein, die Schur erfolgt aber erst, wenn Fell und Haut vollständig trocken sind.
Auch die Schermaschine braucht einen kurzen Check. Der Schneidsatz sollte sauber, scharf und geölt sein. Kontrollieren Sie während der Schur etwa alle fünf Minuten das Öl und die Temperatur der Messer. Werden sie deutlich warm, benötigen Maschine und Schneidsatz eine Pause. Wer mit Kabel arbeitet, sichert dieses sorgfältig, denn Hufeisen und Strom sind eine gefährliche Kombination. Schermaschinen der Marke Aesculap finden Sie in unserem Shop.
Binden oder flechten Sie Mähne und Schweif weg, damit keine langen Haare in die Maschine geraten. Bei einer Teil- oder Deckenschur zeichnen Sie die gewünschten Schurlinien vorher mit einem Kohle- oder Markierstift ein und prüfen sie aus etwas Abstand auf Symmetrie.
Pferd richtig scheren: Schritt für Schritt zum gleichmäßigen Ergebnis
Eine gute Schur folgt einer festen Reihenfolge. Je systematischer Sie arbeiten, desto gleichmäßiger wird das Ergebnis und desto entspannter bleibt Ihr Pferd.
An der Schulter beginnen und gegen die Fellrichtung arbeiten
Beginnen Sie im Schulterbereich. Viele Pferde reagieren dort weniger empfindlich auf Geräusch und Vibration als an Kopf oder Bauch, außerdem ist die Fläche groß und eben. Führen Sie die Maschine immer gegen die Haarwuchsrichtung, mit langen, ruhigen Zügen und leicht überlappenden Bahnen. Die Bahnen sollten sich um mindestens einen Zentimeter überlappen, sonst bleiben Kanten stehen. Vermeiden Sie Druck; ein scharfer Schneidsatz gleitet durch das Fell. Da sich die Wuchsrichtung am Körper ändert, passen Sie Ihre Scherrichtung entsprechend an.

Erst große Flächen, dann Falten, Beine und Details
Arbeiten Sie zuerst die großen Flächen ab: Hals, Schulter, Körper und Hinterhand. Danach folgen Beine, Kurven und Faltenbereiche, wofür eine kleinere Maschine handlicher ist. Zum Schluss kommen Kopf, Ohren und feine Konturen mit einem Trimmer. An Brust, Achseln und Ellbogen ziehen Sie die Haut mit der freien Hand glatt. Gründlich schlägt hier schnell.
Kopf und empfindliche Stellen
Kopf, Ohren und Beine empfinden viele Pferde als unangenehm. Arbeiten Sie dort langsam und in kurzen Etappen, rund um Augen und Maul besonders vorsichtig. Die Tasthaare bleiben stehen, und an den Ohren scheren Sie nur, wo Sie sicher arbeiten und genau sehen können.
Pferd scheren bei Nervosität: Was nervösen Pferden hilft
Nicht jedes Pferd findet eine summende, vibrierende Maschine sofort angenehm. Bei nervösen Pferden sind Zeit und Gewöhnung wichtiger als Tempo. Schalten Sie die Maschine zunächst mit Abstand ein und lassen Sie Ihr Pferd Schritt für Schritt Geräusch und Vibration kennenlernen. Während der Schur helfen ein ruhiger, vorhersehbarer Ablauf, regelmäßige Pausen und ein erfahrener Helfer, der den Führstrick hält und das Pferd beruhigt. Gerät Ihr Pferd in Panik, unterbrechen Sie die Schur. Bei sehr unsicheren Pferden kann es sinnvoll sein, einen erfahrenen Scherprofi hinzuzuziehen.
Nach der Schur: Decken, Pflege und Fütterung
Entfernen Sie nach dem Scheren lose Haare mit einer weichen Bürste oder einem sauberen Tuch und kontrollieren Sie die Haut auf Rötungen und empfindliche Stellen. Pflegemittel für die Fellpflege sind direkt nach der Schur nicht zwingend nötig.
Ihrem Pferd fehlt nun je nach Schurart ein Teil der natürlichen Fellisolierung. Ob und welche Decke notwendig ist, hängt von Temperatur, Haltung, Wetter und Umfang der Schur ab. Für den Weidegang eignet sich eine Outdoordecke, im Stall eine Stalldecke oder Winterdecke. Nach dem Training hilft eine Abschwitzdecke, eine Ausreitdecke hält beim Ausritt warm, und für Fahrten gibt es eine Transportdecke. Weitere Tipps finden Sie in unserem Blog zum Thema Pferdedecken.
Auch die Fütterung verdient einen Blick: Ein geschorenes Pferd ist stärker auf Decke und Haltung angewiesen, um Wärme zu halten. Beobachten Sie deshalb Gewicht und Allgemeinzustand und passen Sie die Ration bei Bedarf an. Hintergründe dazu finden Sie im Bereich Fütterung.
Häufige Fragen zum Pferd scheren
Soll man Pferde scheren oder nicht?
Das hängt vom Training und vom Fell ab. Pferde, die regelmäßig intensiv gearbeitet werden und stark schwitzen, profitieren von der Schur, weil sie schneller trocknen und leichter zu pflegen sind. Bei Pferden mit wenig Arbeit und geringer Schweißbildung ist die Schur nicht nötig, das Winterfell dient dann als natürlicher Kälteschutz.
Kann man ein nasses Pferd scheren?
Nein. Scheren Sie nur sauberes und trockenes Fell. Feuchtigkeit, Schmutz und Sand setzen den Messern zu und führen zu einem ungleichmäßigen Ergebnis. Ist das Fell stark verschmutzt, kann vorheriges Waschen sinnvoll sein, geschoren wird erst, wenn Fell und Haut vollständig trocken sind.
Wann ist der beste Zeitpunkt zum Pferde scheren?
Die erste Schur findet meist von Ende Oktober bis Anfang November statt, sobald das Winterfell voll ausgebildet ist. Die letzte Schur sollte spätestens im Januar oder Februar erfolgen, damit das Sommerfell rechtzeitig nachwachsen kann.
Welches Schermesser passt zu Robustpferden wie Islandpferden oder Shettys?
Rassen mit ausgeprägtem Ober- und Unterfell, etwa Islandpferde, Haflinger oder Shettys, benötigen einen geeigneten Schneidsatz, der das dichte Fell zuverlässig schneidet. Orientieren Sie sich an den Herstellerangaben zum Schneidsatz und lassen Sie sich im Zweifel fachkundig beraten. Passende Isländer Reitartikel finden Sie in unserem Shop.
Darf man die Ohren und Tasthaare beim Pferd rasieren?
Die Tasthaare an Maul und Augen bleiben stehen. An den Ohren scheren Sie nur dort, wo Sie sicher arbeiten und genau sehen, was Sie tun. Für den Kopfbereich eignet sich ein kleiner Trimmer, und bei Unruhe wird die Schur unterbrochen.
Welche Schnittlänge ist sinnvoll?
Bei Warmblütern, Vollblütern und Sportponys sorgt eine Schnittlänge von rund 1,5 mm für ein kurzes, sauberes Ergebnis. Soll etwas mehr Fell stehen bleiben, können 2,5 mm sinnvoll sein. Bei Rassen mit Ober- und Unterfell achten Sie zusätzlich auf einen geeigneten Schneidsatz.
Was solltest du nach dem Scheren beachten?
Entfernen Sie lose Haare, kontrollieren Sie die Haut auf Rötungen und stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd je nach Temperatur, Wetter und Schurart eine passende Decke trägt. Bleiben deutliche Rötungen bestehen oder entstehen offene oder nässende Stellen, lassen Sie die Ursache tierärztlich abklären.
Haben Sie Fragen zu Decken oder Zubehör? Unser Kundenservice berät Sie persönlich per Telefon, Live-Chat und KI-Chatbot, und im Clearance Store in Kabelsketal können Sie vor Ort stöbern.
Quellen
- Kavalkade: Pferde richtig scheren, Anleitung & Tipps (kavalkade.de/blog/pferde-scheren-anleitung/)
- Kavalkade: Welche Schermaschine für Pferde (kavalkade.de/blog/welche-schermaschine-pferde/)
- Aesculap: Wissenswertes zur Pferdeschur (aesculap-schermaschinen.de)
- Waldhausen: Pferde scheren (waldhausen.com/blog/pferde-scheren)
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