
Sommerekzem Pferd behandeln – Ursachen, Symptome & Schutzmaßnahmen
Was ist das Sommerekzem bei Pferden?
Das Sommerekzem – im englischsprachigen Raum als Sweet Itch oder Queensland Itch bekannt – ist eine allergische Hauterkrankung, die durch den Speichel bestimmter stechender Insekten ausgelöst wird. Es handelt sich dabei nicht um eine Infektion, sondern um eine überschießende Immunreaktion des Pferdekörpers auf Proteine im Speichel der Insekten.
Die Erkrankung ist chronisch: Einmal sensibilisiert, reagiert dein Pferd in jedem folgenden Sommer erneut auf den Speichel der Insekten – und die allergische Reaktion wird mit den Jahren häufig stärker, nicht schwächer. Für betroffene Pferdebesitzer bedeutet das: Das Sommerekzem lässt sich nicht heilen, aber mit der richtigen Behandlung und konsequenten Schutzmaßnahmen sehr gut kontrollieren.
Das Sommerekzem ist die häufigste allergische Reaktion beim Pferd in Mitteleuropa. Schätzungen zufolge sind je nach Rasse und Region zwischen drei und zehn Prozent aller Pferde betroffen. Besonders anfällig sind Islandpferde, Tinker, Friesen, Haflinger und andere nordische Rassen – aber auch Warmblüter können erkranken.
Warum bekommen Pferde Sommerekzem? Ursachen & Auslöser
Der primäre Auslöser des Sommerekzems sind verschiedenste Insekten, wie die Gnitze (Culicoides spp.), die Kriebelmücke (Simulin spp.), die Stechmücke (Culex spp.) und die Bremse (Tabanus spp.). Ihr Speichel enthält Proteine, die bei genetisch veranlagten Pferden eine allergische Reaktion auslösen. Das Immunsystem interpretiert diese Proteine als Bedrohung, schüttet Histamin aus und löst damit die typischen Symptome wie Juckreiz und Entzündung aus.
Gnitzen bevorzugen feuchte Lebensräume: Gewässernähe, moorige Weiden und stehende Pfützen sind ideale Brutgebiete. Die Mückensaison beginnt je nach Witterung ab April und endet erst mit den ersten Frösten im Herbst.
Genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle
Die genetische Veranlagung ist der entscheidende Faktor dafür, ob ein Pferd Sommerekzem entwickelt. Wenn ein Elternteil betroffen ist, steigt das Risiko für die Nachkommen deutlich. Besonders betroffen sind importierte Pferde aus Regionen ohne heimische Gnitzen – ihre Immunsysteme haben keine natürliche Toleranz entwickelt. Beim Kauf eines Pferdes lohnt es sich deshalb, nach der Krankengeschichte der Elterntiere zu fragen.
Neben der genetischen Veranlagung beeinflussen weitere Faktoren den Verlauf des Sommerekzems: der allgemeine Gesundheitszustand des Pferdes, die Qualität seiner Fütterung, die Belastung von Leber und Stoffwechsel sowie die Haltungsbedingungen. Ein geschwächtes Immunsystem oder eine überlastete Leber können dazu beitragen, dass allergische Reaktionen stärker ausfallen.
Bestimmte Rassen sind häufiger betroffen
Bestimmte Rassen zeigen eine deutlich erhöhte Anfälligkeit für das Sommerekzem. Islandpferde gelten als besonders häufig betroffene Rasse – in einigen Zuchtlinien sind bis zu 30 Prozent der Tiere betroffen. Tinker, Friesen, Connemara-Ponys und Shetlandponys folgen mit ebenfalls erhöhter Prävalenz. Bei diesen Rassen sollte bereits ab April mit präventiven Schutzmaßnahmen begonnen werden, ohne auf die ersten Symptome zu warten.
Symptome des Sommerekzems – so erkennen Sie die Erkrankung
Das Sommerekzem beginnt meist schleichend. Im ersten Jahr zeigt dein Pferd häufig nur milde Symptome, die leicht mit anderen Hauterkrankungen verwechselt werden können. Das typische Bild entwickelt sich über mehrere Saisons und wird ohne Schutzmaßnahmen von Jahr zu Jahr ausgeprägter.
Starker Juckreiz: Das Pferd scheuert sich intensiv an Zaunpfählen, Wänden oder Bäumen – besonders an Mähnenkamm, Schweifansatz, Bauch und Kruppe.
Schuppenbildung & Haarausfall: Durch ständiges Scheuern brechen Haare ab, die Haut schuppt sich. Am Mähnenkamm stehen die Haare senkrecht ab oder fehlen ganz.
Blutige Stellen & Krusten: Offene Wunden entstehen durch ständiges Reiben. Blutige Stellen verkrusten und sind ein Einfallstor für Sekundärinfektionen.
Hautverdickung: Bei chronisch betroffenen Ekzemern verdickt sich die Haut im Laufe der Jahre und verliert ihre Elastizität.
Typische Stellen: Mähnenkamm, Schweif und Schweifansatz, Bauch, Kehlgang und Ohren – genau dort, wo Gnitzen bevorzugt stechen.
Saisonales Muster: Die Symptome setzen ab April ein, verschlimmern sich im Hochsommer und klingen erst im Herbst ab.
Das Fell betroffener Pferde verliert seinen natürlichen Glanz. Statt eines glänzenden Fells zeigen Ekzemer oft ein struppiges, mattes Erscheinungsbild an den betroffenen Stellen. Die Kombination aus ständigem Scheuern, Schuppenbildung und zunehmender Hautverdickung ist charakteristisch für das Sommerekzem bei Pferden und hilft bei der Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen.
Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen
Juckreiz und Haarausfall können auch auf Milben, Pilzinfektionen, Räude oder Futterunverträglichkeiten hinweisen. Eine sichere Diagnose stellt nur die Tierärztin oder der Tierarzt – gegebenenfalls auch in der Pferdeklinik. Im Zweifelsfall immer untersuchen lassen, bevor Sie mit der Behandlung beginnen.
Wann zum Tierarzt – und wann in die Pferdeklinik?
Bei milden Symptomen zu Beginn der Saison genügt in der Regel die konsequente Umsetzung von Schutzmaßnahmen. Eine Tierärztin sollte jedoch hinzugezogen werden, wenn offene Wunden vorhanden sind, eine Sekundärinfektion vermutet wird oder das Pferd trotz Schutzmaßnahmen stark leidet. Eine Pferdeklinik ist sinnvoll, wenn eine Hyposensibilisierung (Desensibilisierung) angestrebt wird oder eine umfassende allergologische Untersuchung gewünscht ist.
Sommerekzem Pferd behandeln – der Stufenplan
Die Sommerekzem Behandlung verfolgt zwei Ziele: den Kontakt mit Insekten so weit wie möglich minimieren und die Symptome des Sommerekzems lindern. Je konsequenter beide Ansätze verfolgt werden, desto besser die Lebensqualität des betroffenen Pferdes. Die folgenden Stufen bauen aufeinander auf – eine allein reicht in der Regel nicht aus.

Fütterung bei Sommerekzem – was wirklich hilft
Die Fütterung spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung des Sommerekzems. Sie kann zwar den Auslöser – den Speichel der Insekten – nicht beseitigen, aber die Reaktion des Pferdekörpers auf die allergische Belastung abschwächen und die Regeneration der Haut fördern.
Omega-3-Fettsäuren für Haut und Immunsystem
Leinöl, Hanföl und Fischöl sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und die Hautbarriere stärken. Eine tägliche Zugabe von 50 bis 100 ml Leinöl zum Futter kann die Stärke der allergischen Reaktion bei vielen Ekzemern merklich reduzieren. Gleichzeitig verbessern Omega-3-Fettsäuren die Fellqualität und fördern ein glänzendes Fell.
Kräuter zur Unterstützung von Leber und Stoffwechsel
Kräuter wie Mariendistel, Brennnessel und Löwenzahn unterstützen die Leberfunktion und fördern einen geregelten Stoffwechsel. Da eine gesunde Leber für die Verarbeitung von Histamin und anderen Entzündungsstoffen entscheidend ist, kann eine gezielte Kräuterfütterung dazu beitragen, die Intensität der Reaktion zu reduzieren. Mariendistel schützt die Leberzellen, Brennnessel wirkt entzündungshemmend und liefert Mineralstoffe.
Zink, Mangan und Vitamin E
Zink ist ein essenzieller Mineralstoff für die Wundheilung und die Funktion des Immunsystems. Pferde mit Sommerekzem haben häufig einen erhöhten Bedarf, da Entzündungsprozesse den Zinkverbrauch erhöhen. Mangan unterstützt die Regeneration von Bindegewebe und Haut, Vitamin E schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Vor einer Supplementierung empfiehlt sich eine Analyse des aktuellen Futters, um Überdosierungen zu vermeiden.

Was bei der Fütterung zu beachten ist
Einfachzucker und stärkereiche Kraftfuttermittel können Entzündungsprozesse verstärken und die Leistungsfähigkeit des Immunsystems beeinträchtigen. Ekzemer profitieren deshalb von einer fohlreichen, zuckerarmen Fütterung auf Raufutterbasis. Strukturiertes Heu von guter Qualität ist die Grundlage – ergänzt durch gezielte Zusätze für Haut, Leber und Immunsystem.
Praktische Tipps zur Fütterung
Beginnen Sie mit der angepassten Fütterung idealerweise bereits im Winter – also lange vor Beginn der Mückensaison. So kann dein Pferd gut vorbereitet und mit einem gestärkten Immunsystem in die warme Jahreszeit starten. Erste Effekte auf Fell und Hautgesundheit sind häufig nach vier bis sechs Wochen sichtbar.
Die richtige Ekzemerdecke – worauf es bei der Wahl ankommt
Die Ekzemerdecke ist das zentrale Schutzprodukt für betroffene Pferde. Sie bietet mechanischen Schutz vor Insektenstichen und ist damit die wirksamste nicht-medikamentöse Maßnahme in der Sommerekzem Behandlung. Damit sie ihre Funktion erfüllen kann, muss sie jedoch sorgfältig ausgewählt und angepasst werden.
Anforderungen an eine gute Ekzemerdecke
Eine gute Ekzemerdecke muss engmaschig genug sein, dass Insekten nicht durch den Stoff stechen können. Die Maschenweite sollte nicht größer als 1 mm sein – handelsübliche Fliegendecken reichen hier oft nicht aus. Entscheidend ist auch die Abdeckung: Bauch, Schweifansatz und Kehlgang sind die bevorzugten Stichstellen der Gnitzen und müssen vollständig abgedeckt sein.
Besondere Pflege und richtige Passform
Eine Ekzemerdecke, die scheuert oder drückt, löst das Problem nicht – sie schafft ein neues. Besondere Pflege gilt deshalb dem richtigen Sitz: Die Decke sollte weder zu eng anliegen noch so locker sitzen, dass Insekten darunter gelangen können. Regelmäßiges Waschen erhält die Maschenstruktur und entfernt Schweiß und Schmutz, die die Haut zusätzlich reizen könnten.
Ekzemermaske und weitere Schutzprodukte
Ergänzend zur Decke schützt eine Ekzemermaske Kopf, Ohren und Kehlgang. In Kombination mit der Decke deckt sie nahezu den gesamten Körper ab. Für Ausritte empfehlen sich spezielle Fliegenbeinlinge, die auch die Beine vor Stichen schützen. Das konsequente Zusammenspiel aller Produkte ist entscheidend – eine Lücke im Schutz reicht aus, damit Gnitzen stechen und die allergische Reaktion auslösen.
Alle Schutzmaßnahmen im Überblick
Maßnahme | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|
Ekzemerdecke | Mechanischer Schutz vor Insektenstichen am Rumpf und Schweif | Täglich an- und ablegen, regelmäßig waschen |
Ekzemermaske | Schutz für Kopf, Ohren und Kehlgang | Täglich kontrollieren |
Aufstallen bei Dämmerung | Kontakt mit Insekten stark reduziert | Angepasste Weidezeiten ab April |
Natürliche Repellentien | Abweisend, hautpflegend, regenerierend | Alle 2–4 Stunden auf unbedeckte Stellen |
Gezielte Fütterung | Stärkung von Immunsystem, Leber und Haut | Ganzjährig, Beginn im Winter |
Kräuter & Zusätze | Unterstützung von Stoffwechsel und Regeneration | Täglich zum Futter |
Tierärztliche Behandlung | Linderung bei starkem Juckreiz, Wundheilung | Bei Bedarf und Vorbereitung auf Saison |
Hyposensibilisierung | Langfristige Abschwächung der Reaktion | Mehrjährige Behandlung in der Pferdeklinik |
Prävention – so bereiten Sie dein Pferd auf die Saison vor
Prävention beginnt lange vor dem ersten Insektenflug. Je besser ihr Pferd vorbereitet in die warme Jahreszeit startet, desto geringer fällt die Reaktion aus. Wer erst reagiert, wenn das Pferd bereits stark unter Juckreiz leidet, hat wertvolle Zeit verloren.
Vorbereitung ab dem Winter
Beginnen Sie im Winter mit der Anpassung der Fütterung: Omega-3-Fettsäuren, Kräuter für Leber und Stoffwechsel sowie eine gezielte Mineralstoffergänzung sollten spätestens drei Monate vor dem erwarteten Beginn der Mückensaison in den Futterplan integriert werden. Die Vitalität und Leistungsfähigkeit des Immunsystems wird so gezielt gestärkt.
Beginn der Schutzmaßnahmen ab April
Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit – also ab April – sollten alle mechanischen Schutzmaßnahmen konsequent eingesetzt werden, bevor die ersten Symptome auftreten. Ekzemerdecke und Ekzemermaske täglich anlegen, Weidezeiten anpassen und Repellentien regelmäßig auftragen. Eine konsequente Anwendung von Beginn an verhindert die erste Sensibilisierungswelle und reduziert den Schweregrad der Erkrankung erheblich.
Sicherheit durch Routine
Das Sommerekzem verlangt Konsequenz über die gesamte Saison. Ein einziger Abend ohne Ekzemerdecke in der Insektenzeit kann ausreichen, um die Symptome für Tage zu verschlimmern. Routine und Sicherheit in der täglichen Pflege sind deshalb die wichtigsten Faktoren für einen möglichst beschwerdefreien Sommer. Tipp: Hängen Sie sich eine Saisoncheckliste im Stall auf, die alle täglichen Schritte zusammenfasst.

Häufige Fragen zum Sommerekzem bei Pferden
Was hilft wirklich gegen Sommerekzem beim Pferd?
Die wirksamste Maßnahme gegen das Sommerekzem ist die konsequente Kombination aus mechanischem Schutz und angepasstem Management. Eine engmaschige Ekzemerdecke, die Rumpf, Bauch und Schweifansatz abdeckt, schützt direkt vor dem Auslöser – dem Speichel der Gnitzen. Ergänzend dazu helfen angepasste Weidezeiten (Aufstallen in der Dämmerung), natürliche Repellentien auf Basis von Schwarzkümmelöl oder Geraniumöl sowie eine gezielte Fütterung mit Omega-3-Fettsäuren, Zink und leberstärkenden Kräutern. Bei starkem Juckreiz oder offenen Wunden ist die Tierärztin hinzuzuziehen. Keine Einzelmaßnahme allein reicht aus – erst das Zusammenspiel aller Ansätze zeigt eine dauerhafte Wirkung.
Warum bekommen Pferde Sommerekzem?
Das Sommerekzem entsteht durch eine allergische Reaktion auf den Speichel von Insekten. Das Immunsystem bestimmter Pferde reagiert auf Proteine in diesem Speichel mit einer überschießenden Histaminausschüttung, die zu Juckreiz, Entzündung und den typischen Hautveränderungen führt. Die Erkrankung hat eine starke genetische Veranlagung – wenn Elterntiere betroffen sind, steigt das Risiko für die Nachkommen erheblich. Importierte Pferde aus Regionen ohne heimische Insekten sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem keine Toleranz entwickeln konnte. Hinzu kommen begünstigende Faktoren wie eine belastete Leber, ein geschwächter Stoffwechsel und eine unzureichende Fütterung.
Wie wird ein Sommerekzem bei Pferden desensibilisiert?
Die Desensibilisierung – auch Hyposensibilisierung oder Allergie-Immuntherapie genannt – ist die einzige Behandlung, die langfristig auf die Ursache des Sommerekzems abzielt. Dabei werden dem Pferd über einen längeren Zeitraum sehr kleine, schrittweise gesteigerte Mengen des Allergens (aufbereitete Insektenspeichel-Proteine) injiziert. Ziel ist es, das Immunsystem an den Auslöser zu gewöhnen, sodass die allergische Reaktion mit der Zeit schwächer wird. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Pferdekliniken und erfordert eine mehrjährige Verpflichtung. Nicht bei allen Pferden zeigt die Desensibilisierung den gewünschten Erfolg, aber bei einem Teil der behandelten Tiere lässt sich eine deutliche Verbesserung erzielen. Voraussetzung ist eine genaue allergologische Diagnose.
Kann ich ein Pferd mit Sommerekzem noch reiten?
In der Regel ja – sofern keine offenen Wunden unter dem Sattel oder dem Gurt vorhanden sind und das Pferd nicht durch starken Juckreiz abgelenkt oder geschwächt ist. Viele Ekzemer werden erfolgreich geritten, wenn Schutzmaßnahmen konsequent eingehalten werden. Achten Sie darauf, die Ekzemerdecke erst unmittelbar vor dem Reiten abzunehmen und direkt danach wieder anzulegen – besonders in der Dämmerung. An Tagen mit hohem Insektendruck sollte die Belastung reduziert und das Pferd regelmäßig auf neue Hautveränderungen kontrolliert werden.
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