
Turnier-Dresscode nach Disziplin: Was in Dressur, Springen und Gelände gilt
Der Dresscode beim Reiterturnier ist kein einheitliches Regelwerk. Was in der Dressur Pflicht ist, kann im Springen erlaubt oder sogar überflüssig sein – und für das Gelände gelten wiederum eigene Anforderungen. Dieser Ratgeber erklärt den Turnier-Dresscode disziplingenau anhand der aktuellen Regelwerke, damit Sie wissen, was Sie wirklich brauchen.
Warum der Dresscode je nach Disziplin unterschiedlich ist
Hinter den unterschiedlichen Dresscodes steckt keine Willkür. Jede Reitsportdisziplin hat ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Charakter – und ihre eigenen Sicherheitsanforderungen. Die Dressur ist die älteste der drei klassischen olympischen Reitdisziplinen und hat eine strenge Ästhetik, in der Kleidung und Haltung untrennbar zusammengehören. Das Springen ist dynamischer und hat sich im Laufe der Jahrzehnte bei den Dresscodes geöffnet. Die Vielseitigkeit kombiniert Elemente beider Disziplinen, stellt aber durch den Geländeritt besonders hohe Sicherheitsanforderungen.
Verbindlich für alle deutschen Turniere ist die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Für internationale Prüfungen gelten zusätzlich die Regelwerke der FEI, aktuell in der ab 1. Januar 2026 gültigen Fassung. Das jeweilige Ausschreibungsheft der Veranstaltung ist immer die finale Instanz – lesen Sie es, bevor Sie Ihr Turnier-Outfit packen.
Turnier-Dresscode Dressur
Die Dressur ist die Disziplin mit dem strengsten Dresscode. Das klassische Erscheinungsbild – weiße Reithose, dunkles Jacket oder Frack, schwarze Stiefel – hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ist bis heute Standard auf nationalen und internationalen Prüfungen.
Dressur Klasse E und A: Einstieg mit klassischem Look
In den Einstiegsklassen E und A gelten die Grundregeln der LPO. Turnierjacket oder sauberes Turniershirt mit Kragen sind Pflicht. Das Jacket darf schwarz, dunkelblau oder grau sein. Darunter wird ein weißes oder helles Turniershirt mit Krawatte, Plastron oder Binder getragen.
Die Reithose ist weiß oder cremefarben. In der Dressur wird Vollbesatz empfohlen, da er mehr Stabilität und Halt im Sattel bietet als reiner Kniebesatz. Schwarze Reitstiefel mit Absatz sind Standard, ebenso wie weiße Reithandschuhe, die zum klassischen Bild gehören. Der Helm muss nach einer gültigen Norm zertifiziert sein. Hier sind schwarze oder dunkle Farben die richtige Wahl.

Dressur Klasse L und M: Steigende Anforderungen
Ab Klasse L wird die Linie klarer. Das Jacket ist in aller Regel schwarz oder dunkelblau. Reithosen in Weiß mit Vollbesatz sind in Klasse M Standard – die Kombination aus weißer Hose, dunklem Jacket und weißen Handschuhen ist das Bild, das Richter und Publikum in dieser Klasse erwarten. Laut LPO-Ausrüstungskatalog 2024 kann in Klasse S anstelle eines Jackets ein Reitfrack getragen werden.
Dressur international: Was die FEI 2026 vorschreibt
Für internationale FEI-Dressurprüfungen gilt gemäß Art. 431 der FEI Dressage Rules 2026: Schutzhelm in Schwarz oder einer anderen dunklen Farbe (ordnungsgemäß befestigt), weiße oder cremefarbene Reithose, weißes oder cremefarbenes Plastron oder eine Krawatte, weiße oder cremefarbene Handschuhe, schwarze oder dunkle Reitstiefel mit Absatz.
Beim Jacket oder Frack gilt: Jeder einfarbige Frack oder jedes Jacket ist zugelassen. Gestreifte oder mehrfarbige Jackets sind ausdrücklich verboten. Dezente Akzente wie ein andersfarbiger Kragen, schmale Paspeln oder diskrete Kristallverzierungen sind erlaubt. Der Dressurzylinder ist weiterhin als Schutzhelm-Variante zugelassen (Art. 431, 1.4), sofern er den gültigen Sicherheitsnormen entspricht. Bei Young-Horse-Prüfungen (CDIP/CDICh/CDIYH) muss ein Jacket getragen werden. Bei schlechtem Wetter kann die Ground Jury das Tragen eines leichten Regenmantels erlauben, bei sehr warmem Wetter das Reiten ohne Jacket.
Turnier-Dresscode Springen:
Das Springen hat einen deutlich moderneren Dresscode als die Dressur. Farbige Jackets, technische Materialien und ausgeprägte individuelle Stile sind hier seit Jahren üblich – vorausgesetzt, die Grundregeln werden eingehalten.
Was im Springen Pflicht ist (FEI Jumping Rules 2026, Art. 207)
Der Schutzhelm mit ordnungsgemäß befestigtem Kinnriemen ist im Springparcours ohne Ausnahme Pflicht (Art. 207.1). Wer mit nicht befestigtem Kinnriemen springt oder es versucht, wird disqualifiziert – außer in Situationen, in denen ein sofortiges Anhalten unmittelbar vor einem Hindernis oder mitten in einer Kombination nicht sicher möglich war.
Beim Wettbewerb und bei der Siegerehrung muss Folgendes getragen werden: ein Jacket in beliebiger Farbe mit nach außen weisenden Knöpfen, eine weiße oder hellbeige Reithose, schwarze oder braune Stiefel mit Absatz sowie ein Shirt mit weißem Kragen und langen Ärmeln mit weißen Manschetten. Zusätzlich muss ein weißes Plastron oder eine Krawatte getragen werden. Jackets mit Kragen müssen einen Reverskragen haben. Kragenlose Jackets sind erlaubt, sofern Hemdkragen und Krawatte beim geschlossenen Jacket sichtbar sind.
Farbwahl und Stil im Springen
Jackets dürfen jede Farbe haben (Art. 207.2.3.1). Rote, dunkelblaue, schwarze, bordeauxrote oder grüne Jackets – alles ist regelkonform. Für CSIOs und Meisterschaften gelten Sonderregeln zu Teamfarben. Entscheidend bleibt immer der Blick ins Ausschreibungsheft. Beim nationalen Turnier (LPO) ist das hell- oder signalrote Jacket erst ab Klasse M** und höher zugelassen.

Jacket-Ausnahmen bei Wetter
Bei schlechtem Wetter kann die Ground Jury erlauben, einen wasserabweisenden Mantel statt des Jackets zu tragen. Bei sehr warmem Wetter kann sie das Reiten ohne Jacket gestatten (Art. 207.2.3.4). In beiden Fällen muss das darunter getragene Shirt Ärmel haben. Die Ausnahmeregelung muss stets von der Ground Jury ausgesprochen werden – ein eigenmächtiges Weglassen ist nicht statthaft.
Turnier-Dresscode Vielseitigkeit:
Die Vielseitigkeit kombiniert Dressur-, Gelände- und Springprüfung in einer Veranstaltung. Der Dresscode ist entsprechend vielschichtig – für jede Phase gelten eigene Anforderungen.
Schutzhelm: überall Pflicht (FEI Eventing Rules 2026, Art. 538.1.1)
Der ordnungsgemäß befestigte Schutzhelm ist auf dem gesamten Turniergelände beim Reiten verpflichtend – für alle drei Phasen sowie beim Aufwärmen. Der Helm muss den auf der FEI-Website veröffentlichten internationalen Prüfnormen entsprechen. National (LPO) gilt die Europäische Norm EN 1384; empfohlen wird jeweils die aktuelle Fassung. Wer nach Hinweis durch einen Official weiterhin ohne korrekt befestigten Helm reitet, erhält eine gelbe Verwarnung.
Dressurphase der Vielseitigkeit
Während der Dressurphase gelten die gleichen Anforderungen wie bei regulären Dressurprüfungen. Das Betreten der Arena ohne Handschuhe wird mit einem Punktabzug geahndet. Ab Klasse VM ist im nationalen Bereich (LPO) ein Frack zugelassen.
Geländeritt und Springphase
Laut LPO-Ausrüstungskatalog 2024 ist für den Geländeritt eine Schutzweste/Sicherheitsweste mit schützenden Elementen im Rücken- und Brustbereich vorgeschrieben. Empfohlen wird eine Schutzweste gemäß der Europäischen Norm EN 13158, Level 3; eine Airbagweste kann zusätzlich – jedoch nicht ersatzweise – getragen werden. Für internationale Prüfungen verweist die FEI auf ihr eigenes Tack & Equipment Requirements-Dokument. In allen Wettkampfarenen sind Ohrhörer und elektronische Kommunikationsgeräte strikt verboten. Beim Aufwärmen darf maximal ein Ohrhörer getragen werden.
Dresscode-Vergleich auf einen Blick
Disziplin / Ebene | Jacket / Oberteil | Reithose | Helm | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
Dressur E–M (LPO) | Jacket dunkel oder Turniershirt; in Kl. S Frack möglich | Weiß, Vollbesatz empfohlen | Dunkel, EN 1384 | Weiße Handschuhe traditionell; helle Handschuhe ab Kl. M vorgeschrieben |
Dressur FEI (international) | Einfarbiger Frack oder Jacket (Farbe frei, NF-gebilligt) | Weiß oder cremeweiß | Schwarz/dunkel; | Handschuhe in Jacketfarbe erlaubt; Sporen optional |
Springen E–A (LPO) | Jacket oder Turniershirt mit stehendem Kragen | Hell (beige, weiß) | EN 1384, Kinnriemen befestigt | Helles/rotes Jacket erst ab Kl. M** |
Springen FEI (international) | Jacket jede Farbe; nach außen weisende Knöpfe | Weiß oder hellbeige | Kinnriemen befestigt – sonst Disqualifikation | Jacket-Ausnahme bei Wetter durch Ground Jury |
Vielseitigkeit Dressur (FEI) | Wie FEI-Dressurregeln | Weiß oder cremeweiß | Normkonform, überall Pflicht | Handschuhe Pflicht; Fehlen = Punktabzug |
Vielseitigkeit Gelände (LPO/FEI) | Funktionsshirt oder Jacket | Je nach Ausschreibung | Kinnriemen befestigt, Pflicht | Sicherheitsweste Pflicht (EN 13158 Level 3 empfohlen) |
WBO (Breitensport) | Zweckmäßig, anliegend; Schwarz-Weiß nicht erforderlich | Anliegend, zweckmäßig | 3- oder 4-Punkt-Befestigung, DIN-Norm | Stiefeletten mit Absatz ausreichend; Sporen max. 4,5 cm |
Dresscode und WBO: Was im Breitensport gilt
Wer bei Veranstaltungen nach der Wettbewerbsordnung für den Breitensport (WBO 2024) der FN startet, bewegt sich in einem weniger strengen Rahmen. Die WBO schreibt für Reiter-Wettbewerbe vor: Die Kleidung soll zweckmäßig und anliegend sein; Schwarz-Weiß-Kleidung ist ausdrücklich nicht erforderlich. Fest vorgeschrieben sind ein Helm mit Drei- oder Vierpunktbefestigung (gemäß empfohlener DIN-Norm) sowie Stiefel oder Stiefeletten (knöchelhoch, kleiner Absatz). Handschuhe werden empfohlen. Zugelassen sind Gerte (max. 1,20 m inkl. Schlag) und korrekt verschnallte Sporen mit maximal 4,5 cm Dornlänge, glatten Endflächen und ohne Rädchen. Für die Führzügelklasse gilt: Sporen und Gerte sind nicht erlaubt; der Führende trägt festes Schuhwerk und Handschuhe.
Häufige Fragen zum Turnier-Dresscode
Was ist der Unterschied zwischen dem Dresscode in Dressur und Springen?
Die Dressur hat den strengsten Dresscode: weiße Reithose, dunkles Jacket, schwarze Stiefel und weiße Handschuhe (ab Kl. M Pflicht) sind Standard. Das Springen ist in der Farbwahl freier – Jackets dürfen international jede Farbe haben, national ist das helle/rote Jacket erst ab Kl. M** zugelassen. In beiden Disziplinen muss der Kinnriemen am Helm ordnungsgemäß befestigt sein; im Springen führt ein Verstoß zur Disqualifikation.
Ist ein Frack in der Dressur Pflicht?
National (LPO) kann in Klasse S anstelle eines Jackets ein Frack getragen werden – er ist keine Pflicht, aber üblich. Bei der FEI ist jeder einfarbige Frack oder jedes Jacket zugelassen; die Farbe ist frei. Der Dressurzylinder bleibt als Schutzhelm-Variante erlaubt, sofern er den gültigen Sicherheitsnormen entspricht.
Was muss ich beim Geländeritt zusätzlich tragen?
Eine Sicherheitsweste mit schützenden Elementen im Rücken- und Brustbereich ist Pflicht – national wird EN 13158 Level 3 empfohlen. Eine Airbagweste kann zusätzlich getragen werden, ersetzt die Sicherheitsweste aber nicht. Der Schutzhelm mit ordnungsgemäß befestigtem Kinnriemen ist im gesamten Turnierbereich beim Reiten verpflichtend.
Was bedeutet die Jacket-Ausnahme bei warmem Wetter im Springen?
Gemäß den FEI Jumping Rules 2026 darf die Ground Jury bei sehr warmem Wetter das Reiten ohne Jacket gestatten. In diesem Fall muss das Shirt Ärmel haben, wobei kurze und lange Ärmel gleichermaßen erlaubt sind. Die Ausnahme muss von der Ground Jury ausdrücklich ausgesprochen werden – das eigenmächtige Weglassen des Jackets ist nicht erlaubt.
Kann ich dasselbe Outfit für Dressur und Springen tragen?
Grundsätzlich ja – ein klassisches dunkles Jacket mit weißer Reithose, dunklen Stiefeln und normkonformem Helm mit befestigtem Kinnriemen ist in beiden Disziplinen regelkonform. In der Dressur sind weiße Handschuhe Standard (ab Kl. M Pflicht); im Springen gibt es keine vorgeschriebene Handschuhfarbe. Das Outfit muss dem jeweiligen Ausschreibungsheft entsprechen.
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