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Reithelm für das Turnier: Normen, Sicherheit und die richtige Wahl

Reithelm für das Turnier: Normen, Sicherheit und die richtige Wahl

Geschätze Lesezeit: 7 Minuten
Benedikt Zöllner
15.04.2026

Der Reithelm ist die wichtigste Sicherheitskomponente im gesamten Turnier-Outfit – und gleichzeitig die, bei der Fehler die direktesten Konsequenzen haben. Falsche Norm, schlechter Sitz oder ein Helm, der einen unbemerkt gebliebenen Sturz hinter sich hat: All das kann beim Turnier zur Nichtabnahme führen oder im Ernstfall Leben kosten. Dieser Ratgeber erklärt, welcher Reithelm beim Turnier zugelassen ist, was die Normen bedeuten und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Warum der Reithelm beim Turnier-Outfit an erster Stelle steht

Kein anderes Element des Turnier-Outfits wird so konsequent kontrolliert wie der Helm. Das hat einen guten Grund: Der Kopf ist bei einem Sturz das verletzungsanfälligste Körperteil, und ein Helm, der nicht richtig sitzt oder eine veraltete Schutzschicht hat, kann diese Funktion im entscheidenden Moment nicht erfüllen. Auf deutschen FN-Turnieren ist das Tragen eines zugelassenen Reithelms für alle Teilnehmer Pflicht.

Hersteller wie uvex sports, die seit Jahrzehnten Reithelme für den Profisport entwickeln, machen den Unterschied zwischen einem Helm, der nur aussieht wie Schutzausrüstung, und einem, der tatsächlich schützt. Die Erkenntnisse aus dem Einsatz bei Turnierprofis fließen in die Produktentwicklung jedes einzelnen Modells ein – das spürt man in der Passform, im Gewicht und im Belüftungssystem.

Reithelm-Normen im Überblick: Was gilt aktuell?

Die Zulassung eines Reithelms für den Turniereinsatz hängt ausschließlich von seiner Zertifizierung ab. Nicht das Aussehen, nicht der Preis, nicht die Marke entscheidet – sondern das gültige Prüfzeichen. Folgende Normen werden auf FN- und FEI-Turnieren akzeptiert:

Norm

Herkunft

Status (Stand 2024)

Besonderheit

EN 1384:2023

Europa (CEN)

Aktuell – empfohlen

Höchste Anforderungen, neue Prüfpunkte für Seitenaufprall und Durchdringungsfestigkeit

VG1 01.040 2014-12

Deutschland (Übergangsnorm)

Weiterhin zugelassen auf EU-Turnieren

Darf für neue Helme nicht mehr produziert werden; ältere Bestände noch im Handel

PAS 015:2011

Großbritannien (BSI)

Zugelassen

Strenge Produktionskontrolle durch regelmäßige Nachprüfung; häufig bei britischen Premiumhelmen

ASTM F1163

USA (ASTM International)

Zugelassen

Standard für den nordamerikanischen Markt; viele internationale Modelle erfüllen mehrere Normen gleichzeitig

EN 1384 (vor 2017, ohne Zusatznorm)

Europa (veraltet)

Nicht mehr zugelassen

Seit 2014 außer Kraft; Helme nach dieser alten Norm werden bei offiziellen Turnieren abgewiesen

Norm-Etikett im Helminneren mit Zertifizierung EN 1384:2023 und Herstellungsdatum
Norm-Etikett und Herstellungsdatum: Pflichtcheck vor jedem Turnier.

Was die neue EN 1384:2023 im Vergleich zur VG1 besser macht

Die EN 1384:2023 ist nicht einfach eine Umbenennung der VG1-Norm. Sie stellt in mehreren Punkten deutlich höhere Anforderungen:

  • Neuer Seitenaufprall-Test (Hazard): Simuliert den Aufprall auf eine unebene Oberfläche – realistischer als frühere Prüfungen auf flachen Flächen.
  • Höhere Seitensteifigkeit: Die geforderte Steifigkeit stieg von 630 auf 800 Newton – der Helm verformt sich im Sturz weniger.
  • Strengerer Abstreiftest: Prüft, ob der Helm beim Sturz auf dem Kopf bleibt. Die Fallhöhe im Test wurde von 175 auf 240 mm erhöht.
  • Höhere Durchdringungsfestigkeit: Die Energie beim Spitzendurchdringungstest stieg von 14,7 auf 18,4 Joule.

In der Praxis bedeutet das: Helme nach EN 1384:2023 schützen besser – besonders bei seitlichen Aufprällen, die bei Stürzen vom Pferd häufig vorkommen. Wenn Sie einen neuen Reithelm kaufen, empfehlen wir ausdrücklich, auf die aktuelle EN 1384:2023-Zertifizierung zu achten.

Reithelm richtig auswählen: Passform vor Preis

Die Norm ist die Mindestvoraussetzung. Ob ein Helm Sie wirklich schützt, hängt aber noch von einem weiteren Faktor ab: der Passform. Ein Helm, der nicht korrekt sitzt, kann seine Schutzfunktion im Sturz nicht vollständig entfalten – selbst wenn er alle Normen erfüllt.

So ermitteln Sie Ihre Helmgröße

Messen Sie Ihren Kopfumfang mit einem Maßband – zwei Finger breit oberhalb der Augenbrauen und oberhalb der Ohren einmal rund um den Kopf. Der gemessene Wert in Zentimetern gibt Ihre Ausgangsgröße. Wichtig: Die meisten Helme decken einen Größenbereich von drei bis vier Zentimetern ab, zum Beispiel 55–57 cm. Immer im oberen oder mittleren Bereich des Größenkorridors kaufen, nicht auf der untersten Grenze – der Helm soll fest sitzen, nicht drücken.

eithelm von uvex mit sichtbarem Einstellsystem – korrekte Passform ist entscheidend für die Schutzwirkung beim Turnier

Hochwertige Helme wie die Modelle von uvex sports bieten Anpasssysteme, mit denen sich Weite und Höhe millimetergenau einstellen lassen. Das uvex IAS 3D System ermöglicht eine individuelle Anpassung an die natürliche Wölbung des Hinterkopfes – ein Vorteil gegenüber Helmen mit starren Innenschalen, bei denen entweder alles passt oder gar nichts.

Woran Sie einen gut sitzenden Helm erkennen

Ein korrekt sitzender Reithelm liegt waagerecht auf dem Kopf, ohne zu wackeln oder zu drücken. Wenn Sie den Kopf schnell nach links und rechts bewegen, darf der Helm dabei nicht verrutschen. Der Kinnriemen soll fest am Kinn anliegen, ohne zu würgen – zwei Finger Platz zwischen Kinn und Riemen ist der richtige Abstand. Stellen Sie sicher, dass der Helm bei aufgesetztem Helmriemen nicht nach vorne oder hinten geschoben werden kann. Wenn er sich bewegt, ist entweder die Größe oder die Riemeneinstellung falsch.

Helmtypen für verschiedene Disziplinen

Nicht jeder Helm passt zu jeder Situation – weder optisch noch funktional.

Reithelm-Vergleich: Dressurhelm mit Samtoberfläche links, Springhelm mit Dreipunkt-Kinnriemen rechts

In der Dressur ist der schwarze oder dunkelblaue Reithelm mit Schirm und samtähnlicher Oberfläche Standard. Der Dressurzylinder ist nicht mehr zugelassen – laut LPO-Ausrüstungskatalog 2024 ist in allen Disziplinen und Prüfungsklassen ausschließlich der Reithelm nach Europäischer Norm vorgeschrieben. Das gilt auf dem Vorbereitungsplatz, in der Prüfung und in der Siegerehrung.

Im Springen ist farblich mehr erlaubt als in der Dressur. Dunklere Töne bleiben die sicherste Wahl, sind aber keine Vorschrift. Funktional unterscheidet sich ein Springhelm nicht grundsätzlich vom Dressurhelm.

Beim Gelände empfehlen sich Helme mit Schirm oder Visier, der Äste und Gestrüpp vom Gesicht fernhält. Darüber hinaus sollte der Helm besonders robust sein – Geländeprüfungen stellen die höchsten Anforderungen an die gesamte Schutzausrüstung, wozu neben dem Helm auch die vorgeschriebene Sicherheitsweste gehört.

Wann muss der Reithelm ersetzt werden?

Das ist einer der Punkte, bei dem viele Reiter zu lange warten. Ein Reithelm sollte spätestens fünf Jahre nach Herstellungsdatum ausgetauscht werden – unabhängig davon, wie oft er getragen wurde und ob äußerliche Schäden erkennbar sind. Kunststoff und EPS-Schaum (der Stoßabsorber im Inneren) altern durch UV-Strahlung, Schweiß, Temperaturschwankungen und Reinigungsmittel. Die Schutzwirkung nimmt dabei schleichend ab, ohne dass es von außen sichtbar wird.

Ein Helm sollte außerdem sofort ausgetauscht werden, wenn er heruntergefallen ist – auch aus Sitzhöhe auf harten Boden –, wenn die Innenschale Risse oder Verformungen zeigt, der Kinnriemen gerissen ist oder der Helm nach dem Messen erkennbar nicht mehr der ursprünglichen Größe entspricht.

Weitere Situationen, in denen ein Helm sofort ausgetauscht werden sollte: wenn er heruntergefallen ist (auch aus Sitzhöhe auf harten Boden), wenn die Innenschale Risse oder Verformungen zeigt, wenn der Kinnriemen gerissen ist oder wenn der Helm nach dem Messen erkennbar nicht mehr der ursprünglichen Größe entspricht.

Reithelm und Turnier-Outfit: Wie beides zusammenpasst

Ein Reithelm muss nicht nur sicher sein – er soll auch zum Gesamtbild passen. Das gelingt am einfachsten mit klassischen Farben: Schwarz, Dunkelblau und Anthrazit fügen sich in jedes Turnier-Outfit, unabhängig von der Disziplin. Wer mehr Persönlichkeit zeigen möchte, findet bei uvex sports und anderen Premiumherstellern Modelle mit samtbezogener Oberfläche, Kristallapplikationen oder matten Lacklooks – alles, was stilistisch zur modernen Turnierbekleidung passt.

Entscheidend ist: Die Optik ist zweitrangig. Der Helm muss sitzen, die Norm muss stimmen, und er muss in einwandfreiem Zustand sein. Alles andere ist Kür.

Häufige Fragen zum Reithelm beim Turnier

Welche Reithelm-Norm ist beim Turnier in Deutschland Pflicht?

Beim Turnier in Deutschland müssen Reithelme nach einer der folgenden Normen zertifiziert sein: EN 1384:2023 (aktuell empfohlen), VG1 01.040 2014-12 (Übergangsnorm, weiterhin zugelassen), PAS 015:2011 oder ASTM F1163. Helme, die ausschließlich nach der alten EN 1384 ohne Zusatznorm zertifiziert sind, werden bei FN-Turnieren nicht mehr akzeptiert. Das Prüfzeichen finden Sie auf einem Etikett im Helminneren.

Wie lange ist ein Reithelm haltbar?

Die empfohlene Nutzungsdauer eines Reithelms beträgt bei intensiver Nutzung drei bis fünf Jahre ab Herstellungsdatum – auch ohne sichtbare Schäden. Das Material altert durch UV-Strahlung, Schweiß und Temperaturschwankungen. Nach einem Sturz muss der Helm unabhängig vom Alter sofort ersetzt werden, da die innere Schutzschicht auch ohne sichtbare Verformung irreparabel beschädigt sein kann.

Kann ich einen gebrauchten Reithelm kaufen?

Vom Kauf gebrauchter Reithelme wird grundsätzlich abgeraten. Sie können nicht wissen, ob der Helm bereits bei einem Sturz eingesetzt wurde, wie er gelagert wurde und ob die Innenschale noch intakt ist. Ein Helm, der äußerlich einwandfrei aussieht, kann intern bereits seine Schutzfunktion verloren haben. Beim Turnier-Outfit ist der Helm die einzige Komponente, bei der gebrauchte Ware ein ernstes Sicherheitsrisiko darstellt.

Muss der Reithelm beim Turnier eine bestimmte Farbe haben?

In der Dressur ist traditionell ein schwarzer oder dunkler Helm Standard, in höheren Klassen teils Vorschrift. Im Springen und Gelände ist die Farbwahl häufig freier gestellt, solange der Helm den Normanforderungen entspricht. Das jeweilige Ausschreibungsheft der Veranstaltung ist verbindlich – lesen Sie es vor dem Turnier, um sicherzugehen, dass Ihr Reithelm den Farbvorgaben entspricht.

Welcher Reithelm ist für Dressur und Springen gleichermaßen geeignet?

Ein dunkler Allround-Reithelm mit anerkannter Norm eignet sich grundsätzlich für beide Disziplinen. Moderne Reithelme verfügen standardmäßig über ein Dreipunkt-Kinnriemensystem – das ist in Dressur und Springen gleichermaßen regelkonform. Wer beide Disziplinen reitet, wählt am besten ein Modell mit verstellbarem Riemensystem und klassischer, dunkler Optik.

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