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Kissing Spines beim Pferd: Was steckt dahinter?

Kissing Spines beim Pferd: Was steckt dahinter?

Geschätze Lesezeit: 7 Minuten
Allegra Zöllner
08.09.2026

Kissing Spines beim Pferd: Was steckt dahinter?

Kissing Spines beim Pferd zählt zu den häufigsten Ursachen für Rückenprobleme im Reitsport. Zeigt Ihr Pferd Steifheit im Rücken, wehrt es sich beim Satteln oder verweigert plötzlich Sprünge, die vorher kein Thema waren, steckt häufig eine ernstzunehmende Erkrankung der Wirbelsäule dahinter. Bei Albenisa beschäftigen wir uns als erfahrene Reitsportspezialisten täglich mit Fragen rund um Reitsport und Pferdegesundheit. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen, was Kissing Spines bedeutet, wie die Erkrankung entsteht und welche Möglichkeiten Sie zur Behandlung und Vorbeugung haben.

Kissing Spines beim Pferd: Eine kurze Definition

Kissing Spines bezeichnet eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der sich die Dornfortsätze einzelner Brust- oder Lendenwirbel so eng zueinander verschieben, dass sie sich berühren, überkreuzen oder überlappen. Der Name stammt aus dem Englischen und lässt sich in etwa mit „sich küssende Dornfortsätze" übersetzen. Am häufigsten betrifft das Kissing-Spines-Syndrom den Übergang von der hinteren Brust- zur Lendenwirbelsäule, in selteneren Fällen reicht die Veränderung bis zum Übergang am Kreuzbein. Die Wirbelsäule trägt beim Reiten sowohl das Gewicht des Sattels als auch das Reitergewicht, weshalb ein gesunder Rücken die Basis für Bewegungsfreiheit und Leistung ist. Kommt es zu verkleinerten Zwischenräumen zwischen den Dornfortsätzen, entsteht Reibung, die Schmerzen und Entzündungen auslösen kann.

Darstellung eines Pferdeskeletts mit rot markierten Dornfortsätzen im Sattelbereich. Eine Detailansicht zeigt, wie sich benachbarte Dornfortsätze bei Kissing Spines berühren können.
KI-generiertes Bild

Ursachen: Wie entsteht das Kissing-Spines-Syndrom?

Die Entstehung von Kissing Spines ist selten auf einen einzelnen Auslöser zurückzuführen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen: genetische Faktoren, der individuelle Körperbau, die Ausbildung und die tägliche Trainingsbelastung. Diese Krankheit entwickelt sich meist schleichend, wodurch die Problematik häufig erst spät erkannt wird.

Genetische Veranlagung und Körperbau

Manche Pferde bringen von Geburt an eine engere Stellung der Dornfortsätze mit. Diese Veranlagung betrifft insbesondere Pferde mit kurzem Rücken oder ausgeprägter Aufwärtskrümmung der Wirbelsäule. Auch eine sogenannte Hängekonstruktion, bei der die Rückenlinie zwischen Widerrist und Kruppe deutlich durchhängt, begünstigt eng stehende Dornfortsätze. Liegen die Gelenkfortsätze bereits von Natur aus eng beieinander, steigt das Risiko für Kissing Spines auch ohne äußere Einflüsse.

Nahaufnahme des Pferderückens im Seitenprofil mit deutlich durchhängender Rückenlinie. Eine anatomische Einblendung zeigt eng stehende Dornfortsätze im Bereich des Rückens.
KI-generiertes Bild

Falsche Ausbildung und falsche Belastung

Falsches Training gehört zu den häufigsten Auslösern für Kissing Spines. Wird ein junges Pferd zu früh oder zu intensiv geritten, bevor die Rückenmuskulatur ausreichend aufgebaut ist, fehlt die nötige Stabilität für die Wirbelsäule. Ein hohles Laufen, stockende Übergänge oder ein schwungloser Gang sind häufig erste Anzeichen dafür, dass Schmerzen im Rückenbereich vermieden werden. Auch falsche Belastung durch einseitige Trainingseinheiten ohne ausreichende Lösungsphasen begünstigt die Beschwerden.

Unpassende Ausrüstung als Auslöser

Ein unpassender Sattel verteilt den Druck ungleichmäßig auf den Pferderücken und kann punktuell auf die Dornfortsätze drücken. Über lange Zeit führt diese dauerhafte Reibung zu Verspannungen, Ausweichbewegungen und in der Folge zu einer veränderten Bemuskelung. Diese Passformfehler zählen deshalb zu den Faktoren, die sich am einfachsten überprüfen und korrigieren lassen. Bei Albenisa finden Sie passende Sattelunterlagen und Schabracken, die den Druck zusätzlich abfedern und die Passform unterstützen.

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Symptome: Wie laufen Pferde mit Kissing Spines?

Die Symptome von Kissing Spines zeigen sich selten von heute auf morgen. Betroffene Pferde entwickeln häufig eine Empfindlichkeit im Bereich des Widerrists und der Sattellage, reagieren beim Putzen mit Anspannung und zeigen beim Aufsitzen ein Wegducken. Manche Pferde zeigen zudem Unbehagen beim Kotabsatz, da das Aufwölben des Rückens dabei zusätzlich beansprucht wird.

Beim Reiten äußert sich das Krankheitsbild durch eine inaktive Hinterhand, ein Überkreuzen oder Überlappen der Hinterbeine sowie durch Bocken, Steigen oder eine plötzliche Steifheit. Eine reduzierte Hinterhandaktivität und eine verspannte Muskulatur zählen zu den deutlichsten Warnsignalen. Auch der Kreuzgalopp, bei dem Vorder- und Hinterhand nicht im gleichen Takt springen, kann ein Hinweis auf schmerzbedingte Ausweichbewegungen sein. Da diese Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen wie einer spinalen Ataxie auftreten können, ist eine tierärztliche Untersuchung für die richtige Diagnose wichtig.

Diagnose: So stellt der Tierarzt Kissing Spines fest

Die Diagnose von Kissing Spines erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst untersucht der Tierarzt bei der klinischen Untersuchung den Rücken durch Abtasten und prüft die Reaktion auf Druck entlang der Wirbelsäule. Anschließend liefern Röntgenaufnahmen genauere Informationen zu Lage, Abstand und Form der Dornfortsätze. Eine geringgradige Sklerosierung des Knochens, also eine Verdichtung der Struktur an den Kontaktstellen, gilt als typisches Merkmal für Kissing Spines. Zur weiteren Diagnostik setzen Tierärzte zudem lokale Betäubungen ein, um festzustellen, ob die betroffenen Stellen tatsächlich für die Schmerzsymptomatik verantwortlich sind. Eine Studie aus der Fachzeitschrift Pferdeheilkunde weist darauf hin, dass vor allem Pferde mit kurzer Rückenlinie und ausgeprägter Wirbelsäulenkrümmung überdurchschnittlich häufig betroffen sind.

Behandlung: Welche Therapien helfen bei Kissing Spines?

Die Behandlung von Kissing Spines richtet sich nach dem Schweregrad der Veränderungen und der individuellen Symptomatik. Grundsätzlich stehen zwei Wege zur Verfügung: die konservative Therapie und die operative Behandlung. Welcher Ansatz sinnvoll ist, hängt von Faktoren wie der Anzahl betroffener Dornfortsätze, dem Alter des Pferdes und dem angestrebten Leistungsniveau ab.

TherapieformTypische MaßnahmenWann sinnvoll
Konservative TherapiePhysiotherapie, gezieltes Training, Stangenarbeit, Anpassung der Ausrüstung, entzündungshemmende BehandlungBei leichten bis mittleren Veränderungen ohne dauerhafte Schmerzsymptomatik
Operative TherapieEntfernung oder Kürzung betroffener Dornfortsätze, anschließende Regeneration und schrittweiser BelastungsaufbauBei starken Veränderungen oder ausbleibendem Erfolg der konservativen Behandlung

Nach einer Operation benötigt Ihr Pferd ausreichend Zeit für die Regeneration, bevor die Belastung schrittweise gesteigert wird. Ein individueller Trainingsplan, abgestimmt auf Alter, Kondition und Schweregrad der Beschwerden, unterstützt den Heilungsprozess und hilft dabei, die Rückenmuskulatur gezielt wieder aufzubauen.

Kann man ein Pferd mit Kissing Spines noch reiten?

Viele Pferdebesitzer fragen sich nach der Diagnose, ob ein weiteres Reiten überhaupt noch möglich ist. Die Antwort hängt vom Schweregrad der Veränderungen und vom Ansprechen auf die Behandlung ab. Bei leichten bis mittleren Fällen lässt sich mit angepasstem Trainingsaufbau, korrekter Ausbildung und regelmäßiger Physiotherapie häufig wieder ein schmerzfreies und ausbalanciertes Reiten erreichen. Wichtig ist ein systematischer Aufbau der Muskulatur, insbesondere im Bereich der Hinterhand und der Rückenpartie, um die Wirbelsäule zu entlasten. Bei stark ausgeprägten Veränderungen kann die Leistungsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt bleiben, in vielen Fällen ist aber ein Leben als Freizeitpferd mit reduzierter Belastung möglich.

Prävention: Rückenproblemen beim Pferd vorbeugen

Auch wenn sich eine genetische Veranlagung nicht beeinflussen lässt, können Sie mit der richtigen Prävention das Risiko für Kissing Spines bei Ihrem Pferd senken. Ein durchdachter Trainingsaufbau, das passende Reitergewicht und regelmäßige tierärztliche Kontrollen bilden dafür die Basis für die Langzeitgesundheit des Rückens.

Gezieltes Training für eine starke Rückenmuskulatur

Richtiges, gezieltes Training baut die Muskulatur systematisch auf und schützt die Wirbelsäule vor Überlastung. Die Muskulatur im Rückenbereich spielt eine wichtige Rolle für die Stabilität der gesamten Wirbelsäule. Übungen wie Stangenarbeit, Bergauf- und Bergabreiten sowie eine bewusste Dehnungshaltung fördern die Bemuskelung entlang der Oberlinie. Auch die Arbeit am Boden, etwa longieren oder Bodenarbeit mit Ausbindern, unterstützt eine korrekte Haltung und eine konstante Anlehnung, ohne die Wirbelsäule einseitig zu belasten. Nach dem Trainingstag sollte ausreichend Zeit für Entspannung und lockeres Austraben eingeplant werden.

Passendes Zubehör: Sattel, Schabracke und Beschlag

Eine passende Ausrüstung ist die Grundlage für einen gesunden Rücken. Lassen Sie die Passform regelmäßig von einem Sattler prüfen, besonders nach Veränderungen der Bemuskelung. Auch ein passender Beschlag trägt zu einer korrekten Fußung und damit zu einer gleichmäßigen Belastung der Wirbelsäule bei. Bei Albenisa finden Sie neben Schabracken auch Bandagen, Gamaschen und weiteres Zubehör, das Ihr Pferd im Alltag und beim Turnier unterstützt.

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Fütterung und Ergänzungsfuttermittel für den Rücken

Auch die Fütterung beeinflusst die Gesundheit der Wirbelsäule. Übergewicht erhöht die Belastung auf die Rückenpartie und die Gelenke, während eine bedarfsgerechte Fütterung den Muskelaufbau unterstützt. Ergänzungsfuttermittel mit Vitamin E, Selen oder Aminosäuren können den Muskelaufbau begleiten, ersetzen aber weder ein durchdachtes Bewegungsprogramm noch eine tierärztliche Behandlung. Sprechen Sie bei bestehenden Rückenproblemen daher immer mit Ihrem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung, bevor Sie den Futterplan Ihres Pferdes anpassen.

Häufige Fragen zu Kissing Spines beim Pferd

Was sind die Ursachen für Kissing Spines bei Pferden?

Kissing Spines entsteht meist durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, ungünstigem Körperbau und fehlerhafter Ausbildung. Auch unpassende Ausrüstung, zu frühe Belastung der Wirbelsäule und eine schwache Rückenmuskulatur zählen zu den häufigsten Auslösern für diese Erkrankung.

Wie hoch sind die Kosten für eine Kissing Spines-Operation?

Die Kosten für eine Operation hängen von der Klinik, dem Umfang des Eingriffs und der Anzahl betroffener Dornfortsätze ab und liegen häufig im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich. Hinzu kommen Kosten für Nachsorge, Physiotherapie und den schrittweisen Belastungsaufbau. Ein konkretes Angebot erhalten Sie ausschließlich über Ihre behandelnde Tierklinik.

Wie laufen Pferde mit Kissing Spines?

Pferde mit Kissing Spines zeigen häufig einen verkürzten, schwunglosen Gang, eine steife Rückenlinie und eine inaktive Hinterhand. Auch stockende Übergänge, ein Überkreuzen der Hinterbeine oder eine Verweigerung bei Sprüngen können auf die Erkrankung hindeuten.

Welche Pferde neigen zu Kissing Spines?

Pferde mit kurzem Rücken, ausgeprägter Wirbelsäulenkrümmung oder genetischer Veranlagung neigen besonders zu Kissing Spines. Auch Pferde, die früh und intensiv geritten wurden oder unter einer schwachen Rückenmuskulatur leiden, tragen ein erhöhtes Risiko.

Quellen: Fachzeitschrift Pferdeheilkunde, tiermedizinische Fachliteratur zur Wirbelsäulenerkrankung beim Pferd.

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