
Locwool: Süddeutsche Schafwolle als Isoliermaterial in Reitstiefeln und Stiefeletten
Locwool bezeichnet eine Ingredient-Marke für Schafwolle aus Bayern und Baden-Württemberg, die als wärmendes Isoliermaterial in Winterstiefeln verarbeitet wird und die Herkunft der Faser bis zum einzelnen Schafhalter zurückverfolgbar macht. Entwickelt wurde die Marke in Kooperation mit dem Reitsport-Schuhhersteller Suedwind Footwear, der Locwool unter anderem in der Winterstiefel-Serie Amaron als Futter- und Isoliermaterial einsetzt.
Locwool – was hinter dem Namen „lokale Wolle" steckt
Der Name Locwool leitet sich von „local wool", lokale Wolle, ab. Die Wort-/Bildmarke wurde ins Leben gerufen, um süddeutsche Schafwolle wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen und Kunden eine Rückverfolgbarkeit vom Urproduzenten bis zum fertigen Produkt zu ermöglichen. Die Rohwolle stammt von Schafhaltungen in Bayern und Baden-Württemberg; allein in Bayern gibt es nach Angaben der Initiative rund 6.000 Betriebe mit Schafhaltung, davon 200 im Vollerwerb. Die Tiere gehören überwiegend der Rasse Merinolandschaf an, einer Doppelnutzungsrasse für Fleisch- und Wollgewinnung, die einmal jährlich geschoren wird.
Wie fein ist Locwool-Wolle wirklich? Feinheit, Kräuselung und Comfort Factor
Die Qualität von Schafwolle wird in der Textilindustrie über drei Kennwerte bestimmt: Faserdurchmesser (Feinheit) in Micron, Kräuselung (Crimp) in Grad pro Millimeter und den daraus abgeleiteten Comfort Factor. Nach aktuellem Zuchtstand liegt die Feinheit der Locwool-Faser bei etwa 26 Micron, das definierte Zuchtziel bei 22 Micron. Da Wollfasern oberhalb von rund 30 Micron beim Hautkontakt als kratzend empfunden werden können, wirkt sich jede Verringerung des Faserdurchmessers direkt auf das Tragegefühl aus. Der Comfort Factor gibt den Prozentanteil der Fasern eines Wolllots an, der unterhalb dieser Reizschwelle liegt; er beträgt bei Locwool derzeit 70 Prozent, angestrebt werden über 95 Prozent. Die Kräuselung beeinflusst zusätzlich das Bauschvermögen: Eine stärkere Wellung schließt mehr Luft zwischen den Fasern ein, was die Wärmeisolierung verbessert. Aktuell liegt dieser Wert bei 85 Grad/mm, das Zuchtziel bei 90 Grad/mm.

Locwool oder Merinowolle aus Übersee – was unterscheidet die Materialien?
Suedwind Footwear führt neben Locwool auch Fütterungen aus neuseeländischer Merinowolle. Merinowolle für hautnahe Bekleidung liegt in der Textilindustrie üblicherweise im Bereich von 17 bis 21 Micron und gilt damit als feiner als die aktuelle Locwool-Qualität mit 26 Micron. Der Unterschied liegt also weniger in der reinen Faserfeinheit als in Herkunft und Rückverfolgbarkeit: Während Merinowolle für Reitschuhe meist aus Neuseeland importiert wird, stammt Locwool ausschließlich von Schafhaltungen in Bayern und Baden-Württemberg. Ein weiterer Unterschied betrifft die Tierhaltung: Die in Süddeutschland gehaltenen Rassen werden nicht gemulesed, da Fliegenmadenbefall (Myiasis) im mitteleuropäischen Klima praktisch keine Rolle spielt, anders als bei Merinoschafen in wärmeren Zuchtgebieten.
Chlorfreie Ausrüstung – wie wird die süddeutsche Schafwolle waschbar?
Rohe Wollfasern besitzen eine Schuppenschicht, die beim Waschen mit Wasser und Bewegung ineinandergreift und zum Verfilzen der Faser führt. Damit Wollprodukte maschinenwaschbar werden, wird diese Schuppenschicht üblicherweise mit einem chlorbasierten Verfahren geglättet. Locwool wird nach Herstellerangaben stattdessen mit einer chlorfreien Ausrüstung behandelt, die die Wolle bis 40 Grad Celsius waschbar macht, ohne dass sie einläuft oder verfilzt. Diese Behandlung wird vom Hersteller als umweltfreundlichere Alternative zum klassischen Chlor-Verfahren beschrieben; konkrete Prüfnormen oder Umweltzertifikate zu diesem Verfahren hat Suedwind nicht veröffentlicht.
Wo kommt die Locwool-Wolle in der Reitausrüstung zum Einsatz?
Locwool wird vor allem als Innenfutter und Isoliermaterial in Winterreitstiefeln verarbeitet, etwa in der Amaron-Serie von Suedwind Footwear, deren Stiefel und Stiefeletten mit Locwool-Isolierung in Kombination mit wasserabweisendem Rindsleder für frostige Temperaturen ausgelegt sind. Wenn Sie im Winter regelmäßig im Stall oder im Gelände unterwegs sind, wirkt sich vor allem die Kräuselung der Faser auf das Bauschvermögen des Stiefelfutters und damit auf die Wärmeleistung im Schuh aus. Suedwind zählt zu den Reitsportmarken im Sortiment von Albenisa, sodass sich die Materialeigenschaften von Locwool direkt an konkreten Produkten nachvollziehen lassen.
Häufige Fragen zu Locwool
Was ist Locwool und woher stammt die Wolle?
Locwool ist eine Ingredient-Marke für Schafwolle aus Bayern und Baden-Württemberg. Die Wolle stammt von süddeutschen Schafhaltungen, überwiegend der Rasse Merinolandschaf, und wird als Isoliermaterial in Winterschuhen verarbeitet.
Wie fein ist Locwool-Wolle im Vergleich zu Merinowolle?
Locwool-Wolle liegt aktuell bei rund 26 Micron Faserdurchmesser, klassische Bekleidungsmerinowolle bei 17 bis 21 Micron. Ein Zuchtprogramm zielt darauf ab, die Feinheit von Locwool auf etwa 22 Micron zu senken.
Ist mit Locwool gefüttertes Schuhwerk waschmaschinenfest?
Ja. Nach Herstellerangaben ist Locwool durch eine chlorfreie Ausrüstung bis 40 Grad Celsius waschbar, ohne dass die Wolle verfilzt oder einläuft.
In welchen Produkten wird Locwool verwendet?
Locwool findet sich unter anderem in der Winterstiefel-Serie Amaron von Suedwind Footwear, wo die Wolle als Futter- und Isoliermaterial in Kombination mit wasserabweisendem Leder verarbeitet wird.
Ist Locwool-Wolle mulesingfrei gewonnen?
Ja. Die in Bayern und Baden-Württemberg gehaltenen Schafrassen werden nicht gemulesed, da Fliegenmadenbefall im mitteleuropäischen Klima kaum auftritt.
Quellen
- Locwool – Die süddeutsche Schafwolle (o. J.). Wissenswertes zu Schafhaltung und Wollproduktion. locwool.de
- Suedwind Footwear (o. J.). Merino & Locwool – Technologie und Eigenschaften. suedwind.com
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